29.07.2010 12:38
021717

hallplatz.jpg

Ortsverband Wattweiler

Feststunde zum Tag der Deutschen Einheit

Sonntag, 04. Oktober 2009 um 11:41 Uhr

Die CDU Wattweiler veranstaltete die traditionelle Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit am alten DDR-Grenzpfahl in Wattweiler. Alt-OB Dr. Jürgen Lambert hielt die Festrede.

Thumbnail imageÜber 50 Gäste, darunter die CDU-Abgeordnete zum Bezirkstag Heidrun Gauf, zahlreiche Stadträte und Ortsbeiräte, folgten der Einladung der CDU Wattweiler zur Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit. Musikalisch begleitet von Anneliese Schlösser begrüßte der Ortsvorsteher von Wattwieler, Jürgen Kroh, die Gäste und kündigte den Hauptredner der Feierstunde, Alt-OB Dr. Jürgen Lambert, an.

Nachfolgend die Festrede von Dr. Jürgen Lambert:

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

erst 6 Tage, nicht einmal eine ganze Woche, ist es her, seit wir, die Wählerinnen und Wähler, in ganz Deutschland in freier, allgemeiner, gleicher und geheimer Wahl den Bundestag gewählt haben. Unser Parlament, unsere Volksvertretung. Zum fünften Mal geschah dies, seit am 3. Oktober 1990 diese Möglichkeit erstmals seit dem Ende des zweiten Weltkriegs für die Menschen in ganz Deutschland gegeben war; auch für die Menschen in er ehemaligen DDR Mehr als 4 Jahrzehnte lang war unseren Landsleuten in der früheren DDR dieses Recht zu freien Wahlen von der politischen Führung vorenthalten worden,

Wir alle wissen ja, wie es um die Veranstaltungen bestellt war, die damals in der DDR als Wahlen deklariert wurden. Die 99%-Ergebnisse, die es regelmäßig für die von der Staats-Partei, der SED,  vorgelegte Einheitsliste gab, sprechen Bände.

Nun erleben wir hier und da eine Diskussion, ob die DDR ein Rechtsstaat oder ein Unrechts-Staat war. Ich wundere mich immer wieder, dass dies ernsthaft diskutiert wird. Wie kann denn ein Staat, in dem der Bürger bei den grundlegenden politischen Entscheidungen überhaupt keine echte Wahl hat, ein Staat, in dem die allmächtige Partei das Wahlergebnis festlegt, also manipuliert, wie kann denn ein solcher Staat den Anspruch erheben, ein Rechtsstaat zu sein? Nein, so nicht. Die DDR war ein totalitärer Staat, ein Land, in dem der Mensch der allmächtigen, alle Lebensbereiche  beherrschenden Partei ausgeliefert war. Ein Unrechtsstaat eben.

Freuen wir uns also gerade mit Blick auf die zurückliegende Bundestagswahl, dass mit der Wiedervereinigung die Freiheit in unser ganzes deutsches Land eingekehrt ist und dass wir alle, in Ost und West, in freien Wahlen an der Gestaltung unserer politischen Verhältnisse mitwirken können.

Thumbnail imageNatürlich müssen wir, wenn wir von der DDR als einem Unrechtsstaat sprechen, zwischen dem Staat einerseits und andererseits den Menschen, die in diesem Staat lebten und leben mussten, unterscheiden. Wer sich mit den Verhältnissen, denen er wegen Mauer und Stacheldraht nicht entrinnen konnte, abfand; wer sich mit seiner Familie in diesen Verhältnissen einrichtete, ohne anderen zu schaden oder sich aktiv mit dem System zu identifizieren, gegen den ist selbstverständlich kein Unrechts-Vorwurf erlaubt. Er ist selbst ein Opfer, kein Täter. Aber dem System, das diese Verhältnisse schuf, diesem System dürfen wir heute nicht mit Nachsicht begegnen. Da sind klare Worte am Platze.

Ein Beispiel für klare Worte habe ich, in einem etwas anderen, aber doch zum Thema Wiedervereinigung gehörenden Zusammenhang, in diesen Tagen erlebt. Erfreulich klare Worte. Es war beim Salongespräch, zu dem der Pfälzische Merkur in den Wintergarten der Festhalle eingeladen hatte. Gesprächspartner für Herrn Klein, den Merkur-Chefredakteur,
waren der ZDF-Intendant Markus Schächter und der amtierende Innenminister unserer SPD-Landesregierung, Karl Peter Bruch. Das Gespräch sollte sozusagen eine politische Bilanz ziehen, 20 Jahre nach dem Mauerfall im November 1989. Zu dieser Bilanz wünschte der Veranstalter offensichtlich nicht nur positive Feststellungen. Herr Klein fragte seine Gäste, ob nach der Öffnung der Mauer bei den Bemühungen um die deutsche Einheit nicht auch Fehler gemacht worden seien, ob nicht auch Chancen verpasst worden seien. Ganz im Gegenteil, sagte Minister Bruch. Für die deutsche Politik habe es damals eine Jahrhundertchance gegeben; eine Chance an die viele gar nicht mehr - oder jedenfalls nicht so rasch - geglaubt hätten. Diese Chance, die Chance zur Überwindung der Teilung unseres Landes habe der damalige Bundeskanzler, habe Helmut Kohl wahrgenommen. Ja, der SPD-Innenminister nannte ausdrücklich den CDU-Bundeskanzler. Helmut Kohl hat alles richtig gemacht, sagte Karl Peter Bruch. Echte, brauchbare Alternativen, zu dem damaligen Vorgehen habe er - Bruch - nie erkennen können.

Das war ein klares Wort. Ein souveränes Wort, basierend auf einem klaren, durch keine Parteibrille eingeengten Blick. Danke auch von mir an dieser Stelle, Herr Minister Bruch!

Was damals - im Zeitpunkt der Wende - kaum abzuschätzen war, das war der Riesen-Berg an Probleme, die beim Prozess des Zusammenwachsens der Jahrzehntelang getrennten Teile Deutschlands zu bewältigen waren. Was unterschätzt wurde, war das Ausmaß der vom DDR-Regime materiell wie ideell angerichteten Schäden. Was bei der Beseitigung dieser Schäden, was beim Wiederaufbau dieses Teiles unseres Vaterlandes geleistet wurde, ist enorm. Jeder der mit offenen Augen durch die neuen Bundesländer fährt, wer aufmerksam durch ihre Städte und Dörfer geht, kann dies wahrnehmen. Ich komme gerade vom jährlichen Treffen, zu dem die Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde die Vertreter ihrer Rosenstädte und Rosendörfer einlädt. Wenn dort die Rosenfreunde aus Bad Langensalza in Thüringen oder Sangerhausen in Sachsen-Anhalt oder aus dem mit Zweibrücken ja befreundeten Forst in der Lausitz berichten, was alles verschönert, verbessert, erneuert oder erweitert wurde und welche Pläne man noch hat, dann spiegeln sich in den Mienen mancher westdeutscher Vertreter schon ein wenig neidische Gefühle wieder. Und trotzdem: wer etwas hinter die schönen Kulissen schaut, der erkennt, dass vielerorts im Osten eine sich selbst tragende, von öffentlichen Hilfen unabhängige Entwicklung noch lange nicht erreicht ist.

Thumbnail imageEin Indikator dafür ist sicher auch die Abwanderung aus den neuen Bundesländern.  Nach einem aktuellen Zeitungsbericht betrug dort im Jahre 2008 der Wanderungsverlust per Saldo 51.000 Menschern. Zwar gibt es auch die Wanderung in umgekehrte Richtung, von West nach Ost. Aber sie reicht eben nicht aus, die Abwanderungsverluste wettzumachen, die der Osten Jahr für Jahr erleidet.

Leider kann die Presse bei solchen Berichten oft nicht auf dramatisierende Schlagzeilen verzichten. "Ostdeutsche verlassen in Scharen ihre Heimat" lautet die Überschrift des von mir angesprochenen Berichts. Als ich das las, dachte ich zunächst, es würde über das Wendejahr 1990 berichtet. Nein, es ging um 2008. Nun gut, angeblich sind solche Schlagzeilen ja notwendig, damit der darunter stehende Artikel überhaupt gelesen wird. Der zeichnete dann, mit vielen Zahlen, ein sehr nüchternes, nicht erfreuliches aber auch nicht dramatisches Bild.
Bevölkerungsverschiebungen gibt es ja auch im Westen, mit Regionen, die wachsen und solchen, in denen die Bevölkerung schrumpft. Wir kennen das auch aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft.

Die positiven Entwicklungen, die es gerade auch im Osten gibt, zu stärken, bleibt also weiter unsere Aufgabe. Und sie wird es sicher auch noch lange bleiben.

Ich spreche immer wieder vom Osten und vom Westen. Sollte man so sprechen? Ist das nicht ein Zeichen dafür, dass es mit dem Zusammenwachsen nicht klappt, ja dass die deutsche Einheit nur ein Traum ist? Ein Traum bleibt?

Markus Schächter, der ZDF-Intendant, hat dazu beim Merkur-Gespräch etwas sehr richtiges gesagt: Die deutsche Einigung, also der Vorgang des sich wieder Zusammenschließens der getrennten Teile Deutschlands, das war der große Erfolg der knapp 11 Monate vom Mauerfall bis zum 3. Oktober 1990. Dieser Vorgang ist abgeschlossen. Die Deutsche Einheit - also das Zusammenwachsen, das Herstellen einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, gesellschaftlichen, ja auch mentalen Einheit in unserem ganzen Land - das ist und bleibt eine Aufgabe für lange Zeit, für eine Zeit, deren Ende niemand vorhersagen kann. Eine Aufgabe vielleicht für Generationen.

Vielleicht sollen wir uns mit dem Ziel der Einheit auch nicht zu viel vornehmen, uns nicht überfordern. Sind in unserem Land nicht auch unterschiedliche Verhältnisse legitim? Sind sie nicht auch innerhalb des Westens, innerhalb der früheren Bundesrepublik, an der Tagesordnung? Hat innerhalb eines Landes, einer Nation nicht auch die Vielfalt ihre Berechtigung? Ja macht sie nicht gerade den Reiz, die Attraktivität eines Landes aus? Gerade unseres deutschen Landes? Bayern und Hamburger, Friesen und Schwaben, Rheinländer und Hessen - soll das alles ein Einheitsbrei werden? Von Pfälzern und Saarländern gar nicht zu reden! Und von Pirmasensern und Zweibrückern! Bayrischer Wald und Ruhrgebiet - das alles gehört zu Deutschland. Mit seinen Eigenarten, seinen Unterschieden in Lebensverhältnissen und Lebenseinstellungen, auch im Denken und Fühlen. Und so ist es auch mit den Sachsen und den Thüringern, mit den Mecklenburgern und den Brandenburgern. Die Berliner nicht zu vergessen!

Haben wir also Geduld mit der Deutschen Einheit. Und fragen wir nicht andauernd, was alles im Argen liegen, was noch nicht zusammengewachsen sein könnte. Freuen wir uns über das Erreichte, über die reichlich vorhandenen Gemeinsamkeiten. Seien wir interessiert aneinander, lassen wir nicht nach im gegenseitigen Sich-Kennen-Lernen. Das fördert auch das gegenseitige Verständnis. Eben das Zusammenwachsen.

Beim Merkurgespräch rügte Chefredakteur Klein einmal einen seiner Gesprächspartner: Sie sehen ja ziemlich viel durch die rosarote Brille! Der ließ sich aber von seiner Brille, von seiner Sicht der Dinge nicht abbringen.

Lassen auch wir uns also, an diesem schönen Feiertag, die rosarote Brille nicht ganz vermiesen. Freuen wir uns mit unseren Landsleuten in Ost und West, in Nord und Süd
immer wieder über das Entscheidende: Die Mauer ist gefallen. Wir sind ein Volk!


Termine

NOEVENTS




Banner

Umfragen

Wiederkehrende Beiträge
 
Julia Klöckner...
 

Wer ist online

Wir haben 2 Gäste online


© CDU Zweibrücken 2010  -  Impressum