Sehr geehrter Herr Oberkirchenrat Sutter,

in meiner Funktion als Kreis- und Fraktionsvorsitzender der CDU Zweibrücken sowie als künftiger Landtagsabgeordneter der Region Zweibrücken wende ich mich an Sie. Ich bin in tiefer Sorge über die jüngsten Entwicklungen am evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken. Die Schließung droht und damit einhergehend der Verlust von hunderten von Arbeitsplätzen.

Wie sich in dieser Situation der Landesverein für Innere Mission und die ev. Kirche der Pfalz hier vor Ort präsentieren, enttäuscht mich und macht mich ein Stück weit fassungslos. Auch Wut und Ärger empfinde ich, wenn ich ansehen muss, wie hier mit langjährigen Mitarbeitern, ja dem ganzen Evangelischen Krankenhaus, umgegangen wird. Die Mitarbeiter des Ev. KH haben eine solche Behandlung nicht verdient. Sie haben sich, teils jahrzehntelang, mit großer Leidenschaft für ihre Patienten und ihr Krankenhaus eingesetzt. Ich spreche aus eigener Erfahrung, da ich als Arzt im ev. KH auf den Stationen, auf denen ich tätig war (Station 3a, 3b, Intensivstation, Notaufnahme), ein sehr fachkundiges, erfahrenes und gutes Pflegeteam vorgefunden habe. Insgesamt haben mich die Qualität und das Engagement der Pflege im Ev. Krankenhaus beeindruckt. Auch die ärztlichen Kollegen habe ich als sehr kompetent und hoch engagiert erlebt. Ein medizinisches Qualitätsproblem, ein Versorgungsproblem vor Ort, hatte und hat dieses Krankenhaus nicht.

Nunmehr sind die Mitarbeiter unverschuldet in eine existenzbedrohende Notlage geraten, hauptsächlich verursacht durch fehlerhafte Managemententscheidungen. Ein jahrzehntelang angehäufter Sanierungsstau und katastrophale Beschlüsse der Unternehmensführung in den letzten Jahren haben das Krankenhaus in eine nahezu aussichtslose Lage gebracht. Nun ist das Krankenhaus in einer Schieflage und man gewinnt den Eindruck, dass die Verantwortlichen das Krankenhaus nicht schnell genug loswerden können. Solidarität und Verantwortung füreinander sehen anders aus. Fehler und Unterlassungen einiger weniger Personen haben dieses Krankenhaus heruntergewirtschaftet. Bei so klaren Pflichtversäumnissen ergibt sich hieraus eine hohe Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber. Sie verdienen wahrlich eine über das Normalmaß hinausgehende Unterstützung des Landesvereins und damit der evangelischen Kirche.

Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die eigenen Leitlinien des LVIM. Dort ist unter Punkt 6 zu lesen: "Der Nächste ist beruflicher Partner: Wir übernehmen Verantwortung füreinander und können uns aufeinander verlassen."

In meinem Einarbeitungskonzept, das ich zu Beginn meiner Tätigkeit im Oktober 2014 im evangelischen Krankenhaus überreicht bekam, heißt es unter anderem: „Unsere Orientierung an dem ganzheitlichen Menschenbild beschränkt sich nicht nur auf die Art und Weise, wie wir unseren Patienten begegnen, sie zeigt sich auch im Umgang des Trägers mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie im Umgang aller miteinander.“

Ich erwarte und fordere Sie auf, dieser Verantwortung gegenüber den eigenen Mitarbeitern gerecht zu werden.

In diesem Zusammenhang möchte ich Sie an die Rede erinnern, die Sie, Herr Oberkirchenrat Sutter, im Januar 2015 vor den Mitarbeitern des evangelischen Krankenhauses gehalten haben. Ich habe das Redemanuskript diesem Brief beigefügt. In dieser Rede geben Sie, Herr Oberkirchenrat Sutter, ein klares Bekenntnis zum Fortbestand des evangelischen Krankenhauses ab:

......„Der Träger dieses Krankenhauses, der Landesverein für Innere Mission, steht geschlossen mit seinen Organen, der Mitgliederversammlung, dem Verwaltungsrat und dem Vorstand zu dem Standort Zweibrücken, zu seinem Krankenhaus und zu seiner Mitarbeiterschaft. Ich selbst kann mir den Landesverein ohne den Standort Zweibrücken und ohne das Evangelische Krankenhaus nicht denken."......

Des weiteren appellieren Sie, Herr Oberkirchenrat Sutter, an die Mitarbeiter, dem neuen Weg zu vertrauen:

.....„Seit 90 Jahren gibt es das Ev. KH in Zweibrücken. Durch die Jahre und Jahrzehnte hindurch, durch Rezession, Krieg und Kriegswirren, Wiederaufbau und Neuerrichtung ist es durch die Zeiten gegangen. Es hat schon viele kommen und gehen sehen: Krankenschwestern und Pfleger, Verwaltungsratsvorsitzende und Vorstände, ja und auch Chefärzte. Das Krankenhaus ist geblieben - seit fast einem Jahrhundert. Es hat schon manche Turbulenzen durchschritten und bei Neuausrichtungen mit Risiken und Nebenwirkungen seinen Weg gefunden. Unser Blick geht darum nach vorne.

„Vertraut den neuen Wegen.“ „Wer aufbricht, der kann hoffen.“

Ich jedenfalls freu mich schon darauf – so Gott will und ich lebe – in 10 Jahren den hundertsten Geburtstag des „Evangelischen“ in Zweibrücken mit zu feiern. Und dann geht’s ins nächste Jahrhundert. Möge Gott es uns schenken. In diesem Sinne wünsche Ich Ihnen allen persönlich und unserem Krankenhaus eine gesegnete Zukunft.".....

 

Sehr geehrter Herr Kirchenpräsident Schad,

Sehr geehrter Herr Oberkirchenrat Sutter,

380 Mitarbeiter haben Ihren Worten vertraut, dem Ev. KH die Treue gehalten und „den neuen Wegen vertraut“.

Jetzt zeigen Sie den Mitarbeitern den neuen Weg.

 

Sie sind in der Verantwortung.

Zweibrücken will Antworten,

Zweibrücken will Lösungen.

Werden Sie dieser Verantwortung gerecht.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Christoph Gensch

Kreis- und Fraktionsvorsitzender der CDU Zweibrücken